Petticoat und Kaffeeklatsch

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Fotos: Rainer Grohmann

 

KONZERTBERICHT

ALTE WOLLFABRIK: 50er-Jahre-Revue „Petticoat & Kaffeeklatsch“, dargebracht von der „Kurpfälzer Bühne“ und den „SchwetSingers“, kommt gut an

Rituale und Lebensweisheiten in Pastellfarben

Wer sich an die 50er Jahre erinnert, der hat nicht nur Petticoat und Bananenmilch, Rock’n’Roll und Schlager vor seinem inneren Auge, sondern hört vielleicht noch jene Sinnsprüche, die gerne das Leben beschrieben. „Was du in anderen Menschen entzünden willst, muss erst in dir selbst brennen“, wäre wohl eine der Lebensweisheiten, die in einem Poesiealbum Platz gefunden hätten. Sicherlich in jenen von Barbara Kießling und Hans-Peter Sturm, denn seit dem vergangenen Wochenende weiß wohl ganz Schwetzingen und Oftersheim, dass diese beiden Menschen wahrhaft für die schönen Künste entflammt sind. „Petticoat & Kaffeeklatsch“ nannten sie ihr Projekt, das in einem lebendigen und charmanten Ausflug in die Welt vor 60 Jahren mündete. Perfekt inszeniert – so lautete einmündig das Urteil angesichts der farbenprächtigen Kleider, der Kofferradios und Keksdosen, der Itsy-Bitsy-Teenie-Weenie-Honolulu-Strand-Bikins, der Sandkuchen und Kabinenroller.

Tatsächlich hatte das kreative Zweigestirn gemeinsam mit ihrer Theatertruppe „Kurpfälzer Bühne“ kein einziges Detail ausgelassen, beschwor alte Rituale und Lebensweisheiten („eine gute Hausfrau weiß immer, wo ihr Platz ist“ oder Käse-Igel und Toast Hawaii zum Abendessen) herauf, so dass man fast schon selbst die Sarotti-Schokolade auf der Zunge spüren konnte oder die Fahrt über die Alpen in der Isetta miterlebte. Eine ganze Generation im Taumel der Anstandswauwaus und des sündigen Treibens. Perfekt untermalt übrigens von den Rock’n’Rollern der Tanzschule Kiefer, den schmissigen Musikern rund um Elena Spitzner und natürlich den SchwetSingers, die keine Träne im Augenwinkel, kein Summen und Mitbrummen und natürlich kein lächelndes Erinnern in den Mundwinkeln ausließen und mit ihren charmant-kraftvollen Stimmen dieser Zeit vor 60 Jahren Leben einhauchten.

Dass sie dabei mit Hits wie „Komm ein bisschen mit nach Italien“ oder „Ham Sie nicht ’ne Braut für mich?“ beeindruckten, blieb nicht aus und geriet zum Mitsing-Vergnügen für das Publikum, das mit Inbrunst die Szenen aus dem Leben aufsog und so manche Erinnerung gerne wecken ließ. Sogar die Einladung, selbst in passender Kleidung zu erscheinen, hatten sich viele Damen im Publikum zu Herzen genommen und so freuten sich Brigitte Seele aus Schwetzingen und Birgit Coen aus Oftersheim über einen von OB Pöltl höchstpersönlich gezogenen Preis für das schönste Kostüm des Abends. Mit viel Humor und noch mehr Liedern ging es jedoch zuvor in die Vollen.

„Es liegt was in der Luft“

„Es liegt was in der Luft“ – alleine mit der Eröffnungssequenz eroberten die Akteure die Herzen, denn die Bühne füllte sich mit so vielen frohen Gesichtern und dem musikalischen Versprechen, dass schnell klar wurde, dass eine Revue der Nachkriegszeiten hier ihren Beginn nehmen würde. Ein Versprechen, das erfüllt wurde: Ob das Café Kessler, die Lust auf Italien, den Strand und das Dolce Vita oder die Schwetzinger Leidenschaft – das Flanieren über den Schlossgarten: Gemein war ihnen die Lebenslust nach langen Kriegsjahren. Als schließlich Barbara Kießling „Ich wünsch mir zum Geburtstag“ vergnügt auf den Weg brachte, gab es für das Publikum kein Halten mehr. So viel Lebenslust hatte es in Schwetzingen schon lange nicht mehr gegeben!

© Schwetzinger Zeitung, Anke Koob, 26. März 2012

 

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