Mephisto zu Besuch

FOTOS

 

KONZERTBERICHT

Spektakel mit Sternstunden – Momenten

SchwetSingers überzeugen mit „Mephisto zu Besuch“ 

Die Spätheimkehrer, die am Freitag kurz vor Mitternacht über die Kleinen Planken geschlendert waren, hatten schon einen wohlklingenden Vorgeschmack auf das bekommen, was am nächsten Abend im Lutherhaus ablaufen sollte. Ganz nach dem Motto „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiss gesetzt“ dauerte die Generalprobe der SchwetSingers bis in den nächsten Tag hinein. Als sich knapp 24 Stunden später in lauer Sommernacht die Passanten im Zentrum über die vielen Damen mit lila Perücken wunderten, war klar, dass sich die Mühen gelohnt hatten. Der eine oder andere Vortrag war eine regelrechte Sternstunde in der Geschichte des modernen Chorgesangs in Schwetzingen.

„Mephisto zu Besuch“ hatte die 2003 gegründete, aussergewöhnlich lebendige Chorgruppe des Sängerbunds den Abend im fast voll besetzten Saal betitelt und – wie immer – aus einem reinen Konzert ein Ereignis, ein Spektakel oder neudeutsch Event gemacht. Musikalisch äusserst überzeugend, choreografisch und szenisch beeindruckend, begeisterten die SchwetSingers ihr Publikum und – was für den Chorsänger praktisch genauso wichtig ist – auch die Dirigentin. Elena Spitzner strahlte ob der glänzenden Vorstellung ihrer Truppe: „Ich kann mich auf meine Leute 150- prozentig verlassen.“ Bis zuletzt hatte der musikalische Tausendsassa mit russischen Wurzeln an Details gefeilt, was die rund 50-köpfige Sängerschar samt Band dann gelungen umsetzte. Und so, wie das die SchwetSingers präsentieren, ist es eine echte Herausforderung für die Chormitglieder: Es wird alles auswendig gesungen, dazu die ausgefeilte, äusserst passende Choreografie, die nahezu perfekt klappte. Nicht zu vergessen die verschiedenen Kostümwechsel – je nach Stimmungslage des jeweiligen Songs – und das ausdrucksstarke Tanzpaar Nina Reinhart und Igor Martynov.

Die Truppe profitiert dabei davon, dass sie offensichtlich sehr kreative Menschen in ihren Reihen hat. Zwei von ihnen, Santina Rudolph und Michael Scherer, hatten sich nicht nur federführend die ganz frei nach Goethes Faust konstruierte Geschichte des Abends ausgedacht, sondern präsentierten sie zudem als überzeugende sprechende und singende Hauptdarsteller – Michael Scherer als zerstreuter Onkel, der sich für Dr. Faust hält, und seine „Nichte“ Santina Rudolph, die er in seiner Traumwelt als den Teufel ansieht – eine Rolle wie massgeschneidert für die SchwetSingers-Solistin.

Helfen will sie dem Onkel mit Musik – eine interessante Mischung aus Solo- und Chorverträgen, aus ruhigen, gefühlvollen Balladen und mitreissenden Rocksongs mit Schwerpunkt auf südamerikanischen Melodien. Zum Beispiel Glenn Millers „Moonlight Serenade“ (Solist Peter Schäfer), „The girl from Ipanema“, dem „Pariser Tango“ (von Kerstin Steinhilper gesungen) oder die Rockhits „Hit the road Jack“ und „Holding out for a hero“. Allein schon von der optischen Darstellung gelungen, ja köstlich war der „Kriminaltango“, den nur die inzwischen doch schon neun Männer bei den SchwetSingers (unter über 40 Damen) sangen.

Queen-Medley zum Abschluss

Aus einem insgesamt überzeugenden Auftritt stachen drei Vorträge besonders hervor: „Balada para un loco“ – ein Tango, den Christina Bercher, die zuvor schon das anspruchsvolle „Habanera“ aus der Oper Carmen gesungen hatte, ausdrucksstark und gefühlvoll intonierte. „Und das bei ihrem erst zweiten Solo in ihrem Leben“, staunte auch Elena Spitzner. Spontane Ovationen rauschten wenig später der brillanten Santina Rudolph entgegen, die mit „The show must go on“ sämtliche Superstar- Suchen dieser Welt ad absurdum führte.

Der Höhepunkt war die „Bohemian Rhapsody“ – ein äusserst diffiziler, Chorsatz, den die SchwetSingers exzellent umsetzten und nicht nur bei Queen-Fans für Gänsehaut-Feeling sorgten. Spätestens da wurde dem Letzten im Publikum klar, wie gut die Band ist, die für die Begleitung der SchwetSingers sorgte und aus den beiden Brühlern Tobias Nessel (Schlagzeug) und Mathias Buchta (Bass) sowie ihre beiden Mitstreiter Peter Schnur (E-Piano) und Arthur Braitsch (Gitarre) – durchweg Profi-Musiker – bestand. Der rauschende Beifall war Lohn für eine bemerkenswerte Vorstellung der SchwetSingers, die selbst bei der zweiten Zugabe noch gesanglich keinen Deut nachliessen – Chapeau.

© Schwetzinger Zeitung, Andreas Lin, 29. Juni 2009

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.