Amadeus? Amadé!

FOTOS

 

KONZERTBERICHT

Das war ein weiteres Highlight im Mozart-Jahr – tolle Mischung aus Gesang, Schauspiel und Tanz

Schwetzingen und Wolfgang Amadeus Mozart, das ist eine Koppelung, die in diesem Jahr einen ganz besonderen Stellenwert hat. Für eine Musicalfassung standen der Gemischte Chor und die „SchwetSingers“ gemeinsam auf der Bühne des Rokokotheaters. „Amadeus? Amadé!“ war der Titel über eine selbst erarbeitete Mischung aus Gesang, Schauspiel und Tanz. Eigentlich gibt es kaum noch ein Geheimnis aus dem Leben Mozarts, das noch nicht gelüftet wurde. Trotzdem gelang es den Schreibern der Geschichte (Thilo Dörfler und Michael Scherer), der Regie von Mathias Behrends und den beiden Chören, ein amüsantes und kurzweiliges Musical zu erschaffen und in Szene zu setzen. Die Idee zu einem Mix aus Klassik, Rock und Pop stammte von Elena Spitzner. Zunächst witzig als „Chorkonzert“ deklariert, ging es in eine heutige Geschichte über, in der ein Referat über Mozart zu schreiben ist. Um dem „Chorkonzert“ Rechnung zu tragen, eröffnete der Gemischte Chor den Abend mit einem wunderschön intonierten „Ave verum“. In der darauf folgenden „Serenade 1“(Querflöte: Carolin Seefeldt) begannen mit einem Menuett die szenischen Teile. Projektionen vermittelten jeweils den Sprung zwischen den Vater-Sohn- Dialogen im Heute und den Unterhaltungen zwischen „Wolferl“ und Vater Leopold.

Michael Scherer (Vater) und Thilo Dörfler (Wolfgang Amadé) schlüpften grandios zwischen diesen beiden Rollen hin und her. Scherer legte dabei ebenso viel Spielwitz an den Tag wie Dörfler, wobei dieser nicht ganz verhehlen kann, dass er den Film „Amadeus“ intensiv studiert hat. Er kam dabei dem „Original“ sehr nahe, was sehr für ihn spricht. Ausgezeichnet in Szene setzte sich auch das Wolferl als Kind. Sebastian Jaeger überzeugte dabei nicht nur mit seinem Klavierspiel, sondern brachte schauspielerisch seine ganze Verzweiflung zum Ausdruck, als er zum wiederholten Mal, Passagen aus dem „Türkischen Marsch“ spielen musste. Anmutig und am Klavier adäquat Kristin Kinzer als Schwester „Nannerl“. Als Personen aus dem Leben traten Santina Rudolph als Aloysia Weber (sie besang hervorragend das „Gold von den Sternen“ / Musical „Mozart!“) und Anita Teichmann als deren Schwester Constanze, die Mozart heiratete, in Erscheinung. Eine hübsche Idee, die Person der „Muse“ (Sabrina Kästner), die Mozart sein aussergewöhnliches Talent verlieh. Als Zeitungsjunge hielt Anastasia Spitzner die Zuschauer auf dem neuesten Stand. Die beiden Chorleiter Elena Spitzner und Mathias Behrends waren als Papagena und Papageno in dem berühmten Duett aus der Zauberflöte zu hören.

Im zweiten Teil des Abends wurden einige „Bäsle-Briefe“ eingespielt: Deftig-kräftige Formulierungen aus den Briefdokumenten Mozarts an seine Cousine Maria Anna Thekla, das „Bäsle“, erheiterten das Publikum. Teilweise eingebettet in ideenreiche Choreographien von Susanne Netter und Petra Pfister präsentierten sich beide Chöre in stimmlicher Hochform. Für die Klassik stand hier der gemischte Chor des Sängerbundes unter dem Dirigat von Mathias Behrends, während Elena Spitzner temperamentvoll ihre SchwetSingers im Griff hatte. Am Klavier begleitete den Abend Peter Schnur.

Der Gemischte Chor brachte die klassischen Chorstücke, wie z.B. das „Ave Verum“, den Hochzeitschor aus „Figaros Hochzeit“, „Lieder sing mir“, „Abendruhe“, „Miserere“ oder das ergreifende „Lacrimosa“ aus dem Requiem dar. Weniger bekannt war dem Publikum das von beiden Chorgruppen im Kanon gesungene „Bona nox, bist a rechta Ochs“, Text und Musik ebenfalls von W.A.Mozart. Die SchwetSingers, sonst eher vertraut mit Musicalhits, sangen „Das klinget so herrlich“ aus „Die Zauberflöte“, die „40. Symphonie“, sowie in Kleingruppen „Dank, Nike deinen Ränken“ und „Caro mio Schluck und Druck“. Das „Scherzo“, komponiert von Antonio Salieri, dem Konkurrenten Mozarts und mit neuem Text versehen von Katrin Nikel, einer „SchwetSingerin“, begeisterte das Publikum ebenso wie Horst Keber in der Rolle des Hofkomponisten Salieri. Eine witzige Idee, wie Mozart auf die Melodie der „Kleinen Nachtmusik“ kam: er wird von Aloysia abgewiesen, ärgert sich und „trommelt“ die Anfangsnoten dieses vielleicht bekanntesten Mozartstückes. Die „SchwetSingers“ sangen vor einem projektierten Mond die „Kleine Nachtmusik“ in einer à-capella-Chorbearbeitung. Zum Abschluss präsentierten die SchwetSingers das Stück „Mozart! Mozart!“, eine Hymne an das Wunder Mozart, aus dem Musical „Mozart!“ von Sylvester Levay und Michael Kunze. Solistin hierbei war Mona Schaab.

Doch das Publikum forderte noch eine Zugabe. Imposant das Bild , als beide Chorgruppen auf der ehrwürdigen Bühne des Rokokotheaters den Falco- Hit „Amadeus“ (zusammen mit Birgit Schuh-Staudt) rapten und die Zuschauer begeistert mitklatschten. Paradox, dass eben dieser „Amadeus“ soviel Begeisterung auslöste: wollte man doch mit dem Titel des Abends „Amadeus? Amadé!“ gerade dieses Missverständnis aus der Welt räumen und verdeutlichen, dass Wolfgang Mozart sich nicht Amadeus, sondern in der französischen Version „Amadé“ nannte! Dem Sängerbund Schwetzingen ist es mit diesem Konzert gelungen, einen Brückenschlag zwischen Klassik und Moderne, zwischen Symphonie und Musical zu schaffen, ohne dabei Mozarts Musik antasten zu müssen.

Anm.: Der Original Zeitungsartikel aus der Rhein-Neckar-Zeitung (18. Oktober 2006) stammt von Sabine Sipos und wurde von der Redaktion in einigen Teilen ergänzt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.